Der frische Wind und der Föhn

Es gibt viele Gründe, von Bregenz am Bodensee den jungen Rhein entlang nach Süden Richtung Chur zu fahren. Die einen tun es, weil sie vor der Kälte des Nordens fliehen, um das Frühlingserwachen im milden Tessin zu erleben, die anderen, weil sie in der weißen Pracht des Engadins auf den winterlich verschneiten Pisten hinunter ins Tal gleiten wollen. Wieder andere haben etwas in Liechtensteins Hauptstadt Vaduz zu tun. Aber nur die wenigsten küren die »Bündner Herrschaft« zu ihrem Reiseziel.
Die Bündner Herrschaft ist ein überschaubares Gebiet, bestehend aus den Orten Fläsch, Jenins, Malans und der Stadt Maienfeld. Rechts des Rheins zwischen Bad Ragaz im Norden und Landquart im Süden reihen sich die Orte. Vom Rhein zieht sich die Herrschaft Richtung Osten hinauf zu den Bergen. Wer eilig auf der Autobahn an ihr vorüberfährt, wird kaum bemerken, dass auf den sanften Hängen äußerst kultiviert Reben in langen Seilschaften den Berg hinaufsteigen. Viele, denen die Bündner Herrschaft und überhaupt das Rheintal als Weingegend unbekannt ist, zeigen sich erstaunt, weil ihre Erfahrung ihnen abrät, die Täler nördlich des Alpenhauptkamms voreilig mit Weinbau in Verbindung zu bringen. Wein und hohe Berge passen gewöhnlich nur dann zusammen, wenn spezielle klimatische Phänomene eine Gegend begünstigen. Aber in diesem Fall erscheint es doch den meisten Reisenden als fragwürdig, welches Phänomen befähigt sei, das abweisende Klima des Nordens niederzuringen.

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