Gottesfäden aus Frauenhand

Heiß brennt die Sonne auf Nuoro in Herzen Sardiniens herab, und auch der leichte Wind bringt nicht wirklich die Abkühlung, die wir Nordlichter uns zwischendurch mal wünschen. »Pech für Sie, aber ideales Filindeu-Wetter für mich – so sind sie in drei bis vier Stunden trocken«, sagt Paola, die uns fröhlich lachend in ihrer Küche begrüsst.
Filindeu sind Nudeln, aber nicht irgendwelche: Übersetzt heißt Filindeu »Gottesfäden« – in der Tat göttlich feine Fäden aus zartem Teig. Und eben als gottgefällige Pilgerspeise wurden die Filindeu seit dem 16. Jahrhundert an die zu Fuß aus der Barbagia angekommenen Gläubigen verteilt, die jährlich das Itria-Fest in der Kapelle Santuario delle Grazie Vecchio in Nuoro besuchten. Man war froh, wenn sich die Pilger mit einer kleinen Spende für Filindeu und viel geriebenem Pecorino in kräftiger Lammbrühe bedankten. Reichten deren Ersparnisse nicht aus, bekamen sie dennoch ihre Filindeu in Brodo di pecora mit einem herzlichen »Buon appetito « serviert – wer wußte denn schon, welche Sorgen und Nöte diese Menschen zur beschwerlichen Wallfahrt führte? Nun – Wallfahrer gibt es hier heute nicht mehr, aber stattdessen feiern alljährlich, wie damals stets im Juni, neben den Einwohnern von Nouro um die 3.000 Angereiste rund um die Kapelle San Francesco in Lula das San-Francesco-Fest, wo ebenfalls traditionell Filindeu serviert werden. Paola erinnert sich an ein Jahr, in dem sie allein für dieses Fest 400 kg Hartweizengrieß zu Filindeu verarbeitete.

Mehr über Paola Abraini und die Filindeu finden Sie im apéro Magazin 16

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