Woll Genuss

Für manch Genuss muss man sich gedulden – und warten. 20 Minuten auf ein frisch zubereitetes Mahl. Ein paar Monate auf eine Uhr, die in einer Manufaktur präzise zusammengesetzt wird. Über ein Jahr auf ein Knäuel weicher Alpakawolle. Allein die Zeit schenkt uns eine unglaubliche Vorfreude…
… und endlich, endlich klingelt Im Oktober das Telefon. 
Am anderen Ende der Strippe ist – sagen wir der Einfachheit halber – mein angeheirateter Großvater Bernd Düsel. »Die Wolle von 2015 kann abgeholt werden«, lautet der Lockruf aus der 400-Seelen-Gemeinde Kyhna bei Leipzig. Und ich folge ihm, auf die Wiesen an seinem Haus. Unter Walnussbäumen grasen acht Alpakas. Scheue Tiere mit dickem weißen, schwarzen und rehbraunem Fell. »Vlies« sagt der Züchter zur Wolle, auf die ich es abgesehen habe. An die man aber nicht so einfach rankommt.
Denn Alpakas sind keine Kuscheltiere. »Sie sind scheu und sehr wachsam«, weiß Bernd. »Bei Gefahr stoßen sie einen Warnpfiff aus und flüchten.« Das funktioniert in der angestammten 
Heimat der Alpakas, den Hochebenen der südamerikanischen Anden, ebenso wie in der Gartensiedlung in Kyhna. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Alpakas kann man nicht einfach wie Schafe scheren. Um die kleine Kamelart nackig zu machen, braucht es alljährlich im Mai zupackende Helfer.

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